
Anthony Burgess
Der Mann aus Nazareth
Roman
In seinem Roman über Jesus von Nazareth strebt Anthony Burgess keine Umdeutung der christlichen Tradition oder Bibelauslegung an; er orientiert sich vielmehr am Gang der in den Evangelien berichteten Ereignisse, greift aber auch auf viele andere Quellen zurück – von apokryphen Evangelien über antike Historiker bis zu John Miltons Paradise Regained und Oscar Wildes Salome. Dafür erfindet er eine Erzählerfigur: einen gebildeten Geschichtenerzähler des 1. Jahrhunderts, der die Begebenheiten schildert, aber auch kommentiert, mit Sympathie, mitunter auch ein wenig skeptisch. Und so präsentiert Burgess nicht nur einen hochvitalen, auch körperlich imponierenden Jesus, sondern eine Vielfalt individuell gezeichneter Figuren.
Selbstverständlich kommt bei Burgess auch der Humor nicht zu kurz – und so gerät ihm beispielsweise die Hochzeit zu Kana, übrigens umgedeutet zu Jesu eigener Hochzeit, zu einer grandiosen Burleske.
Mit seinem Roman Der Mann aus Nazareth hat Anthony Burgess einen theologisch fundierten, dabei aber sehr unterhaltsamen und immer wieder überraschenden Jesus-Roman vorgelegt. Der zwar eine vertraute Geschichte erzählt, für Gläubige aber immer wieder interessante Denkanstöße bereithält, während auch diejenigen, die Kirche und Religion fern stehen, humorvoll und intelligent unterhalten werden..
Details
Erscheinungsjahr
2025
Ins Deutsche übersetzt von
Ludger Tolksdorf
Elsinor
Klappenbroschur
372 Seiten
ISBN 978-3-942788-93-9
28,00 Euro [D]
14,5 x 22 cm
Presse
Das Buch im Urteil der Medien
SWR
19. Dezember 2025
Als Medium der Geschichte dient ein Mann namens Asok, von Beruf Übersetzer, Rechnungsprüfer und Geschichtenschreiber. Religiöses Sendungsbewusstsein ist eher nicht sein Antrieb. Die Mission dieses merkwürdigen Evangelisten besteht darin, eine der größten Geschichten der Welt noch einmal zu erzählen – so unterhaltsam, dass auch bibelresistente Leser Zugang finden, mit der Treue zu den alten Texten und der Liebe zu neuen, aber plausiblen Details. (…) Zu den Reizen des Romans gehört es, wie Burgess den Jüngern Profil verleiht. Judas etwa zeichnet er als jungen Intellektuellen.
Wolfgang Schneider
Deutschlandfunk Kultur
21. Dezember 2025
Wie Burgess in seinem Roman überhaupt immer wieder den sprichwörtlichen biblischen Ernst, dem Zeffirelli in seiner Verfilmung verhaftet bleibt, gekonnt bricht und zur Ironie greift. (…) Jesus hat Humor und kann sogar lachen. (…)
Burgess hat zeitlebens gegen den strengen, autorität geprägten Katholizismus, den er als Kind erlebte, angeschrieben, doch er blieb der katholischen Weltsicht verbunden. Als entlaufener Katholik wollte er die emphatischen, kraftvollen Seiten der Lehre zeigen. (…)
Tolksdorf gelingt es (…), die Mischung aus Anklängen an biblischen Tonfall und bewusst gegenwärtiger, auch deftiger Sprache, auf die Burgess abzielte, im Deutschen einzufangen.
Nico Bleutge