Die Autoren
Werner Bergengruen, geboren am 16. September 1892 in Riga, gestorben am 4. September 1964 in Baden-Baden. Nach Schulbesuchen in Lübeck und Marburg und einem Studium in Marburg, München und Berlin Teilnahme am Ersten Weltkrieg; anschließend Journalist und freier Schriftsteller in Berlin und später in München. 1936 Übertritt zum Katholizismus; 1937 Ausschluß aus der Reichsschrifttumskammer. Trotz seiner erkennbaren Distanz zum nationalsozialistischen Regime bleibt der namhafte Autor von einem generellen Berufsverbot verschont; sein historischer Roman Der Großtyrann und das Gericht gilt als ungewöhnliches Beispiel eines kritisch-oppositionellen Romans, der in Deutschland vor 1945 nicht der Zensur zum Opfer fiel.
Nicholas Blake: Cecil Day-Lewis, geboren am 27. April 1904 in Ballintubbert (Irland), gestorben am 22. Mai 1972 in London; bedeutender englischer Lyriker. 1923 Studium in Oxford und zunächst Lehrtätigkeit an einem College; 1968 Berufung ins Amt des Hofdichters (Poet Laureate). Day-Lewis zählte schon früh zu den herausragenden Dichtern seiner Generation; in Oxford gehörte er zum Kreis um W.H. Auden. Unter dem Pseudonym Nicholas Blake verfaßte Day-Lewis insgesamt zwanzig Kriminalromane.
Katarina Botsky wurde am 4. August 1880 in Königsberg i. Pr. geboren und starb dort 1945 während der Einnahme und Besatzung der Stadt durch sowjetische Truppen. Zwischen 1911 und 1936 veröffentlichte die bekannte Zeitschrift Simplicissimus zahlreiche ihrer Novellen. Zudem publizierte Botsky weitere Beiträge in anderen Zeitschriften sowie eigenständige literarische Werke.
Bernard von Brentano, geboren am 15. Oktober 1901 in Offenbach am Main, gestorben am 29. Dezember 1964 in Wiesbaden. Nach dem Studium in Freiburg, München und Berlin Journalist und freier Schriftsteller in Berlin. Als Gegner des Nationalsozialismus seit 1933 im Schweizer Exil; 1949 Rückkehr nach Deutschland. Erzählungen im Stil der Neuen Sachlichkeit, Romane, Biographien und Essays. – Bernard von Brentano entstammte der gleichen deutsch-italienischen Familie wie der romantische Dichter Clemens Brentano und dessen Schwester Bettina von Arnim. Bernards Vater war hessischer Minister, sein Bruder Heinrich wurde Außenminister der Bundesrepublik Deutschland. Bernard von Brentano war Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung..
Wilhelm Busch, geboren am 15. April 1832 in Wiedensahl bei Hannover, gestorben am 9. Januar 1908 in Mechtshausen bei Seesen. 1847 Maschinenbau-Studium an der Polytechnischen Hochschule Hannover. 1851 Wechsel an die Kunstakademie Düsseldorf, 1852 Vertiefung der künstlerischen Studien in Antwerpen und ab 1854 in München. 1869 Frankfurt am Main; dann Rückkehr nach Wiedensahl. Maler, Schriftsteller, Karikaturist; Hauptwerke sind die illustrierten Bildergeschichten in Anknüpfung an das komische Epos.
Gilbert Keith Chesterton, geboren am 29. Mai 1874 in London, gestorben am 14. Juni 1936 in Beaconsfield. Schriftsteller, Publizist und Karikaturist. 1922 Übertritt von der anglikanischen zur katholischen Kirche. – Chestertons eminent vielseitiges und umfangreiches Werk umfaßt Bühnenstücke, Lyrik, Romane, Kurzgeschichten (darunter die populären Geschichten vom Detektiv Father Brown), Biographien, theologische Abhandlungen und Streitschriften. Sein Ruhm gründet jedoch nicht zuletzt auf den rund 4000 Zeitungsessays und Kolumnen, in denen er einen eigenwilligen und charakteristischen Stil entwickelte.
Norbert Engling, geboren am 5. Mai 1932 in Danzig, gestorben am 13. Mai 1978 in Lüdinghausen. Kindheit in Neustadt (Wejherowo) im damaligen Westpreußen. 1945 Flucht mit der Familie nach Westfalen. Freiberuflicher Theaterkritiker; Studium am Bibliothekar-Lehrinstitut des Landes Nordrhein-Westfalen in Köln, 1965 Diplom-Bibliothekar. Berufliche Tätigkeit in Lünen und Dortmund. Möhring wird 1976 am Bochumer Schauspielhaus in einer «szenischen Lesung» uraufgeführt.
Alexander Moritz Frey, geboren am 29. März 1881 in München, gestorben am 24. Januar 1957 in Zürich. 1903. Abitur in Mannheim; Jura- und Philosophiestudium in Heidelberg, Freiburg und München. Freier Schriftsteller in München; im Ersten Weltkrieg als Sanitäter an der Westfront. Frey, der im Krieg in der gleichen Einheit wie Adolf Hitler dient, weist später alle Annäherungsversuche der Nationalsozialisten zurück und bekennt sich zum Pazifismus. 1933 Flucht nach Österreich, 1938 in die Schweiz; er kehrt nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr nach Deutschland zurück. – Im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts zählte A. M. Frey, der sich u.a. im Genre der phantastischen Literatur und als Satiriker einen Namen machte, zur Riege der bedeutenden jungen Autoren. Krieg und Exil setzten dieser Laufbahn ein Ende; im Nachkriegsdeutschland geriet Frey fast vollständig in Vergessenheit.
Harry Graf Kessler, geboren am 23. Mai 1868 in Paris, gestorben am 30. November 1937 in der Nähe von Lyon. Kindheit in Frankreich, Deutschland, England und Amerika; Schulbesuch in Paris, Ascot und Hamburg. 1888 bis 1891 Studium in Bonn und Leipzig. 1902 bis 1906 Direktor des Museums für Kunst und Kunstgewerbe in Weimar. Verleger, Schriftsteller, Publizist, Diplomat, politischer Redner, Reichstagskandidat für die Deutsche Demokratische Partei und einflußreicher Kunstmäzen. Kessler, der Bismarck und Kaiser Wilhelm I. noch persönlich kannte und enge Kontakte zu führenden Schriftstellern, Künstlern, Intellektuellen und Politikern in Europa pflegte, zählt zu den bemerkenswerten Zeitzeugen aus Kaiserreich und Weimarer Republik. Als bedeutsamstes Vermächtnis gilt sein Tagebuch, das er 57 Jahre lang führte und dessen Edition noch nicht vollständig abgeschlossen ist..
Eduard von Keyserling, geboren am 18. Mai 1855 auf Schloß Paddern bei Hasenpoth in Kurland, gestorben am 28. September 1918 in München. Abgebrochenes Studium (Jura, Philosophie, Kunstgeschichte) in Dorpat; vor 1890 weitere Studienzeit in Wien. Bis 1895 Gutsverwalter; dann Umzug nach München. 1899/1900 Italienreise. Nach schwerer Krankheit 1908 erblindet; die späteren Werke werden diktiert. Neben einigen Dramen zahlreiche Romane und Erzählungen, die zum großen Teil in der untergehenden Welt des baltischen Adels angesiedelt sind. Der erst relativ spät wiederentdeckte Keyserling zählt zu den großen Erzählern des frühen 20. Jahrhunderts.
Arthur Koestler, geboren am 5. September 1905 in Budapest, gestorben am 3. März 1983 in London. Schulbesuch in Budapest und Baden bei Wien, 1922 Beginn eines Maschinenbaustudiums. 1927 Ullstein-Korrespondent in Palästina, anschließend als Journalist in Paris und Berlin. 1931 Eintritt in die Kommunistische Partei und einjährige Reise durch die Sowjetunion; im Spanischen Bürgerkrieg 1937 festgenommen und zum Tode verurteilt. 1938 unter dem Eindruck der Moskauer Prozesse Austritt aus der KP. 1939 in Frankreich interniert; Flucht nach England. In den fünfziger Jahren Rückzug aus dem politischen Journalismus und Beschränkung auf literarische Arbeiten und wissenschaftliche Publizistik. Suizid angesichts einer unheilbaren Erkrankung. – Arthur Koestler zählte zu den namhaftesten und politisch einflußreichsten europäischen Journalisten seiner Zeit. Seinen internationalen Rang als Schriftsteller begründete der Roman Sonnenfinsternis, eine Abrechnung mit dem totalitären Kommunismus und nach wie vor eines der grundlegenden Werke der politischen Literatur des 20. Jahrhunderts.
Gustav Meyrink (eigentlich: Gustav Meyer), geboren am 19. Januar 1868 in Wien, gestorben am 4. Dezember 1932 in Starnberg. Abschluß des Gymnasiums und der Prager Handelsakademie, dann Gründung eines Bankhauses in Prag. Nach Untersuchungshaft wegen eines – unbegründeten – Unterschlagungsverdachts ist Meyrink finanziell und gesellschaftlich ruiniert. Tätigkeit als Redakteur in Wien, anschließend Mitarbeiter des Simplicissimus und Übersiedlung nach München (später Starnberg). Freier Schriftsteller; Autor zahlreicher – teils satirischer – Erzählungen, Romancier, Dramatiker und Übersetzer.
Wilhelm Raabe, geboren am 8. September 1831 in Eschershausen bei Holzminden, gestorben am 15. November 1910 in Braunschweig. Nach vorzeitig beendeter Gymnasialzeit in Wolfenbüttel und abgebrochener Buchhändlerlehre in Magdeburg 1854 Hochschulstudium in Berlin (als Gasthörer). Erfolg mit dem in Berlin verfaßten ersten Roman Die Chronik der Sperlingsgasse (1856). Rückkehr nach Wolfenbüttel und Beginn einer Laufbahn als Berufsschriftsteller. 1862 bis 1870 in Stuttgart, dann Wechsel nach Braunschweig. Raabes erzählerisches Werk war im 19. Jahrhundert höchst populär, die späten Romane brachen jedoch zunehmend mit der Erwartungshaltung der Leserschaft. 1899 beendete Raabe seine schriftstellerische Tätigkeit.
Rudolf
Schneider-Schelde, geboren am 8. März 1890 in Antwerpen, gestorben am
18. Mai 1956 in München. In den zwanziger Jahren erfolgreicher Autor von
Bühnenstücken, Romanen, Novellen und Kurzgeschichten. Nach 1933 in
Deutschland Publikationsverbot. 1945–1947 Präsident des Schutzverbandes
deutscher Schriftsteller; Herausgeber der kulturpolitischen
Schriftenreihe Europäische Dokumente. 1949–1951 Programmdirektor und Stellvertretender Intendant des
Bayerischen Rundfunks.
Wilhelm Speyer,
geboren am 21. Februar 1887 in Berlin, gestorben am 1. Dezember 1952 in Riehen bei Basel. Nach 1933 Emigration über Österreich und Frankreich in die USA; 1949 Rückkehr nach Europa. Wilhelm Speyer zählte vor allem in den zwanziger Jahren zu den bekanntesten und erfolgreichsten deutschen Schriftstellern: als Autor populärer Jugendbücher und Berliner Großstadtromane und als Verfasser zahlreicher Bühnenstücke, an denen er teilweise gemeinsam mit Walter Benjamin arbeitete. Im Deutschland der Nachkriegsjahre konnte Speyer nicht mehr an einstige Erfolge anknüpfen.
Robert Louis Stevenson, geboren am 13. November 1850 in Edinburgh, gestorben am 3. Dezember 1894 in Vailima auf Samoa. Ingenieur-, dann Jurastudium in Edinburgh. Infolge einer schweren Bronchialerkrankung schon von Kindheit an häufig ans Bett gefesselt. Später zahlreiche Reisen durch Südfrankreich, in die Schweiz und nach Amerika, immer auf der Suche nach einem für Lungenkranke zuträglicheren Klima. Nach mehreren Fahrten in die Südsee Übersiedlung nach Samoa. Der Autor von Klassikern wie Treasure Island (Die Schatzinsel) und The Strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde (Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde) hat ein umfangreiches Werk hinterlassen: Erzählungen, Romane, Lyrik, Reiseberichte und rund zweihundert Essays. Stevenson gilt heute nicht nur als Autor von Jugend- und Abenteuerliteratur, sondern als ein bedeutender britischer Schriftsteller des späten 19. Jahrhunderts.
Johannes Urzidil, geboren am 3. Februar 1896 in Prag als Sohn deutsch-tschechischer Eltern, gestorben am 2. November 1970 in Rom. Schulbesuch und Studium in Prag; dort Mitglied im Kreis um Max Brod, Franz Kafka und Franz Werfel. Korrespondent zahlreicher Zeitungen und Mitarbeiter der Deutschen Gesandtschaft. 1939 Flucht nach London und später nach New York. Der zeitlebens in deutscher Sprache schreibende Lyriker, Essayist, Erzähler und Übersetzer veröffentlicht außerdem Arbeiten zur Literatur- und Kunstgeschichte. Viele der Erzählungen erinnern an Urzidils verlorene Heimatstadt und das alte Böhmen, andere spiegeln das moderne Amerika. Der in den fünfziger und sechziger Jahren auch in Deutschland sehr geschätzte Schriftsteller hat Europa nach Kriegsende regelmäßig besucht, behielt aber seinen Wohnsitz in den Vereinigten Staaten. Prag hat er nicht wiedergesehen.
Georg Veit, geb. 1956 in Velen. Autor mehrerer im Münsterland angesiedelter Kriminalromane. Weitere Veröffentlichungen: historische Romane, Satiren, Kurzgeschichten und Lyrik. Georg Veit arbeitet außerdem als Gymnasiallehrer in Coesfeld.
Voltaire (eigentlich: François-Marie Arouet), geboren am 21. November 1694 in Paris, gestorben in Paris am 30. Mai 1778. 1716 Verbannung und Inhaftierung, 1726 Abschiebung nach England, 1746 Mitglied der Académie française, 1750 bis 1753 Aufenthalt am Hof Friedrichs des Großen in Potsdam; später wohlhabender Schloßbesitzer mit Wohnsitz am Genfer See. Voltaire galt schon früh als führender und vielseitigster Vertreter der französischen Aufklärung. Sein reiches Werk umfaßt Lyrik, Tragödien und Komödien, Verserzählungen, Romane, Satiren, Streitschriften und wissenschaftliche Abhandlungen, darunter philosophische und kulturgeschichtliche Arbeiten und Beiträge zur Geschichtsschreibung. Manche seiner kritischen Publikationen wurden zu Lebzeiten beschlagnahmt, verboten oder verbrannt. 1791 wurde Voltaires Leichnam ins Ehrengrab im Pariser Panthéon überführt.
Oscar Fingal O'fflahertie Wills Wilde, geboren am 16. Oktober 1854 in Dublin, gestorben am 30. November 1900 in Paris.
Altphilologe, Dichter, Dramatiker, Journalist und Vortragsreisender. Der
brillante Vertreter des Ästhetizismus gilt früh als einer der bekanntesten
Dandys seiner Zeit. Im August 1889 nimmt Wilde den Auftrag für einen Roman an,
der als The Picture of Dorian Gray in
Lippincott’s Monthly Magazine im Juli
1890 zeitgleich in England und den USA erscheint. In einem Prozeß um den
Vorwurf der Homosexualität des verheirateten Familienvaters Oscar Wilde wird
diese Ausgabe des Romans als Beweismittel herangezogen. Am 25. Mai 1895 wird
der Autor wegen Unzucht zu zwei Jahren Zuchthaus mit Zwangsarbeit verurteilt.
Gebrochen durch die Haft, stirbt Wilde wenige Jahre später; auf dem Totenbett
konvertiert er zum Katholizismus.